„SAMENSPENDE“

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Eine oft beliebte Methode, über einen anonymen oder privaten Samenspender im Falle eines zeugungsunfähigen Partners Kinder zu bekommen.

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Eingriff in die NaturBedenklich oder nicht?

Psychologisch betrachtet:

Es sollte eine genaue Überlegung bei Paaren stattfinden ob es sich wirklich um einen Kindeswusch beiderseits handelt. Vorsicht: …oft stammen diese Wünsche von klischeehaften Erziehungsmustern. Menschen besitzen zwar die Intelligenz über Forschungswege immer neue Mittel zu finden, um den natürlichen Werdegang einer Schwangerschaft zu beeinflussen, aber sie müssen sich auch deren Folgen rechtzeitig bewusst sein. Daher ist es wichtig sich Aufklären zu lassen und nicht nur der Forschung alleine Glauben zu schenken. Da Menschen individuell verschieden sind, ist eine Unfruchtbarkeit nicht als Komplex zu betrachten. Ebenso sollte man auch religiöse Einflüsse in Partnerschaftsangelegenheiten meiden. Es ist eine intime Angelegenheit beider Partner und Ihre Bereitschaft offen gegenüberzustehen und der Natur mehr Achtung zu schenken, bevor sie planen eine Familie zu gründen. Aufklärung ist in jedem Fall der wichtigste Teil einer Erziehung. Nur so kann eine Verantwortung gegenüber Kindern garantiert werden.

Wissenschaftliches und Geschichtliches:

Unter einer Samenspende versteht man die Übertragung von Sperma eines fremden Spenders in die Gebärmutter einer Frau, um eine Schwangerschaft einzuleiten. Die Samenspende ist eine recht alte Methode der künstlichen Befruchtung. Von einigen erfolgreichen Versuchen wurde schon im 19. Jahrhundert berichtet. Seit 1930 existiert eine medizinische Praxis hierzu, allerdings wurde Samenspende zunächst als moralisch und religiös anstößig gesehen und mit Ehebruch verbunden. In Deutschland wurde in den 60er Jahren sogar überlegt, sie unter Strafe zu stellen. Im Jahr 1970 beschloss der Deutsche Ärztetag, Samenspenden nicht mehr als standeswidrig anzusehen. Aufgrund der bestehenden rechtlichen Risiken für den Arzt empfahl der Deutsche Ärztetag Samenspenden jedoch ausdrücklich nicht. Mit der allgemeinen Liberalisierung in den siebziger Jahren verbreitete sich die ärztlich vermittelte Samenspende als Methode um ungewollter Kinderlosigkeit bei Unfruchtbarkeit des Mannes zu begegnen.

Die normale Befruchtung mit einer Samenspende ist im Vergleich mit der In-Vitro-Fertilisation (= „Befruchtung im Glas“, also außerhalb des Körpers) eine relativ einfache Technik der künstlichen Befruchtung. Der Samen wird direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht. Eine In-Vitro-Fertilisation kann aber auch mit einer Samenspende vorgenommen werden.

Nach den Richtlinien des Arbeitskreises für Donogene Insemination muss der Samenspender gesund, in gutem körperlichen und psychischen Zustand, und frei von Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis und Syphilis sein. Der Spender erhält für eine Spende je nach Qualität zwischen 75 und 150 Euro.

Die Befruchtung darf nur mit Samen geschehen, der bereits sechs Monate tiefgefroren gelagert worden ist und dessen Spender nach Ablauf dieser Zeit noch immer frei von HIV ist. Bis 1983 wurde oft noch frischer Samen verwendet. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA haben die Wunscheltern in Deutschland wenig Möglichkeiten, den Spender mit auszuwählen. Die Kliniken suchen meistens anhand des Aussehens des Ehemannes und dessen Blutgruppe einen Spender aus. Angeblich bieten jedoch einige Praxen die Möglichkeit, eine eingeschränkte Auswahl nach Haarfarbe, Augenfarbe, Blutgruppe, Hautfarbe, Beruf, Hobbys, Körpergröße und -gewicht zu treffen. Nach Schätzungen werden in Deutschland zwischen 4.500 und 5.000 Kinder jährlich durch eine Samenspende erzeugt.

Die Vor- und Nachteile der Samenspende

Die Vorteile:

  • Die Schwangerschaft kann erlebt werden.
  • Das Kind ist zumindest genetisch mit einem Elternteil, der Mutter, verwandt.
  • Sie ist ein relativ einfaches Verfahren, welches normalerweise nicht schmerzhaft ist und keine Operation oder einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordert.

Die Nachteile:

  • Bei Paaren kann die Tatsache, dass die Mutter mit dem Kind genetisch verwandt ist und der Vater nicht, zu Spannungen im Familienleben führen. Die Position der Eltern zu dem Kind ist nie gleich, weil zumindest die Eltern von der fehlenden Verwandtschaft des Mannes wissen. Dies kann nicht geändert werden, wie sehr der Vater das Kind auch liebt.
  • Die Familiensituation erfordert viel Reflektion und Offenheit über die eigenen Gefühle und darüber, was Familie ausmacht, und auch eine Auseinandersetzung mit schmerzhaften Themen wie der eigenen Unfruchtbarkeit. Wenn nicht beide Partner überzeugt hinter der Samenspende stehen, kann es dazu kommen, dass ein Elternteil das Kind ablehnt.
  • Unterbleibt ein aktiver Beziehungsaufbau von Seiten des Vaters, rettet kein biologisches Band die fehlende Zusammengehörigkeit
  • Wenn man genetische Verwandtschaft für die Eltern-Kind-Beziehung als wichtig erachtet, sollte einem bewusst sein, dass dem Kind durch eine Samenspende genau dies zu einem Elternteil verweigert wird. Das Kind wird vielleicht nie oder erst sehr spät seinen genetischen Vater kennenlernen können.
  • Das Kind muss sich mit seiner künstlichen Entstehungsweise arrangieren.
  • Bei später Aufklärung besteht die Gefahr, dass das Vertrauensverhältnis zu den Eltern nachhaltig belastet ist, weil die Eltern das Vertrauen des Kindes ausnutzten und es jahrelang bewusst über seine wahre Herkunft hinweg täuschten.
  • Der Mangel an Informationen über den Spender kann zu Verunsicherung bei den Eltern und dem Kind führen. Einerseits aufgrund von Verhaltensmustern des Kindes, die man aus der eigenen Familie nicht kennt, aber auch wegen des Aussehens oder eventueller Krankheiten.
  • Es kann zu ablehnenden Reaktionen im sozialen Umfeld kommen. Bei vielen Eltern führt bereits die Befürchtung, dass es zu ablehnenden Reaktionen kommen könnte, dazu dass sie nicht offen mit der Familienbildung durch Samenspende umgehen.
  • Die Samenspende wird zumindest in Deutschland oft noch unter der Bedingung der Anonymität der Spender durchgeführt, auch wenn dies juristisch nicht haltbar ist. Die Herausgabe der Daten ist oft ungeklärt.

 

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