Abhängigkeit von Medikamenten – wie kommt es dazu? (Dr. Doris Wolf)

Posted in Uncategorized on 10/18/2018 by Harry B.P. Jaeger

 

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Eine Abhängigkeit von Medikamenten kann, je nach Art des Medikaments, sehr schnell eintreten. Deshalb ist bei der Einnahme von Medikamenten immer Vorsicht geboten. Die meisten Menschen denken bei Sucht an Alkoholabhängigkeit  oder Drogenabhängigkeit. Doch auch Medikamente können zu einer psychischen Abhängigkeit, bei längerer Einnahme auch zu einer körperlichen Abhängigkeit führen. Diese Abhängigkeiten kommen schleichend!

Etwa 2 Millionen Deutsche schlucken täglich Psychopharmaka.

Frauen und ältere Menschen sind die Hauptkonsumenten insbesondere von Benzodiazepinen. Viele der medikamentenabhängigen Frauen konsumiert zusätzlich noch Alkohol. Auch Schulkinder setzen bereits Medikamente ein, um ihre Schulangst und damit einhergehende Kopf- und Bauchschmerzen zu reduzieren.

Weibliche Jugendliche nutzen zudem Schmerzmittel, um ihre Regelschmerzen zu lindern. Die vom Arzt am häufigsten verordneten Psychopharmaka sind die Benzodiazepine (Tranquilizer) wie z.B. Valium und Lexotanil.  Sie werden hauptsächlich zur Dämpfung von Angst- und Spannungszuständen eingesetzt und führen bereits nach 2-4 Wochen(!) Einnahme zu einer körperlichen Abhängigkeit!

Stark im Ansteigen ist die Abhängigkeit von Schlafmitteln. Mehr als 2 Millionen Menschen sind von Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln abhängig, Tendenz stark steigend.

Ursachen von Einschlafstörungen und Behandlung von Schlafstörungen

In den letzten Jahren werden zunehmend Antidepressiva, Neuroleptika (die erheblich mehr Nebenwirkungen haben: Bewegungsstörungen, Mundkrämpfe, Zittern) und pflanzliche Therapeutika verschrieben.

Medikamentenabhängigkeit – wie entsteht sie?

  • In einer Krisensituation bekommen wir z.B. gegen Angstgefühle oder Schlafprobleme vom Arzt Medikamente verordnet. 
  • Statt an den psychischen Ursachen der Angst oder der Schlafprobleme anzusetzen, nehmen wir die Tranquilizer oder Schlafmittel monate- oder gar jahrelang und entwickeln so eine psychische Abhängigkeit und körperliche Abhängigkeit.
  • Wir glauben, unseren Alltag nur bewältigen zu können und den Anforderungen nur gewachsen zu sein, wenn wir Medikamente nehmen. 
  • Deshalb lassen wir uns vom Arzt Tabletten verschreiben, um besser mit Stress, Schmerzen und Ängsten umgehen zu können. Eine gefährliche Haltung!
  • Psychopharmaka setzen nie an den Ursachen seelisch bedingter Probleme an und können diese deshalb nicht heilen.
  • Wir besorgen uns rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel über die Apotheke oder das Internet. 
  • Da sie frei verkäuflich sind, gehen wir davon aus, dass diese Helferlein ungefährlich sind.
  • Aber auch harmlos erscheinende Mittel wie etwa ein codeinhaltiger Hustensaft und Appetitzügler können bei längerer Einnahme abhängig machen und/oder körperlich schaden.

Gefahren bei der Einnahme von Medikamenten

  • Es kommt zu einer Gewöhnung und/oder Dosissteigerung.
  • Es kommt zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit. Wir glauben, ohne Tabletten nicht mehr funktionieren zu können.
  • Durch die Tabletten werden keine Probleme gelöst. Wir verspüren nur nicht mehr die damit einhergehenden negativen Gefühle und körperlichen Symptome.
  • Die Tabletten verstärken beim Absetzen genau die Symptome, deretwegen sie ursprünglich eingenommen wurden: Beim Absetzen von Beruhigungsmitteln verspüren wir z.B. ständige Unruhe und innere Spannungen mit Herzklopfen, Schweißausbrüchen und Zittern.
  • Beruhigungs- und Schlafmittel haben eine sehr lange Wirkungszeit. Ein um 22 Uhr eingenommenes Schlafmittel führt noch am nächsten Morgen zu einer Senkung der Reaktionsbereitschaft und Schläfrigkeit. Mehr zur Einnahme von Medikamenten bei Schlafstörungen.
  • Die Einnahme von Kopfschmerzmitteln, insbesondere von Kombinationspräparaten (von denen Sie die Finger lassen sollten) führt zu erheblichen körperlichen und psychischen Gesundheitsschäden, in erster Linie zum sog. medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz. 
  • Diesen gehen wir dann wieder mit den gleichen Präparaten an, was mit der Zeit zur weiteren Verschlimmerung der Schmerzen führt.
  • Die dauernde Einnahme von Medikamenten kann zu körperlichen Schäden wie etwa Durchblutungsstörungen, Nierenschäden und Magen-Darm-Geschwüren führen. Auch Depressionen können hierdurch ausgelöst werden.
  • Bei vielen älteren Menschen besteht die Gefahr zur Verwahrlosung, weil sie durch die längere Einnahme der Psychopharmaka gleichgültig werden. Ebenso steigen die Unfall- und Sturzgefahr.
  • Medikamente heilen keine Krankheiten! Sie beseitigen die Symptome, aber nicht die Ursache der Beschwerden. 
  • Das ist, wie wenn in Ihrem Wagen das Warnlicht für einen zu geringen Motorölstand blinkt, und in der Werkstatt klemmt man einfach die Leuchtdiode für das Warnlicht ab. Das Symptom ist weg, die Ursache besteht weiterhin.
  • Auch Sie klemmen Ihre Warndiode für Schmerz ab, wenn Sie Schmerzmittel nehmen. Die Ursache für Ihre Schmerzen wird nicht behoben.

Wie lange darf man Psychopharmaka einnehmen, ohne abhängig zu werden?

Dazu kann man keine allgemeingültigen Angaben machen, da dies von persönlichen körperlichen und seelischen Merkmalen sowie der Zusammensetzung der Medikamente mitbestimmt wird. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch der Hirnstoffwechsel und die Suchtgefahr nimmt zu.

Als kritische Grenze gilt für Benzodiazepine die Einnahme von über 3 Monaten.

Manche Psychopharmaka machen jedoch auch schon nach vierwöchiger Einnahme süchtig.

Alarmsignale, dass Sie medikamentenabhängig sind

  • • Schläfrigkeit bis in den späten Vormittag
  • Dauerkopfschmerzen nach der Einnahme von Schmerzmitteln
  • häufige Stürze
  • Sie müssen die Dosis der Medikamente steigern, um die erwünschte Wirkung zu erzielen.
  • Sie holen Ihre Rezepte bei verschiedenen Ärzten, damit keiner weiß, wie viele Medikamente Sie nehmen.
  • Sie haben Angst, Ihr Arzt könnte Ihnen die Medikamente nicht mehr verschreiben.
  • Sie wechseln den Arzt, wenn er Ihnen die Medikamente nicht (mehr) verschreibt,
  • Sie kaufen Ihre Medikamente in verschiedenen Apotheken.
  • Sie haben sich von Ihrem Umfeld zurückgezogen.
  • Sie nehmen schon länger als 4 Wochen Schlaf- oder Beruhigungsmittel.
  • Sie verheimlichen die Einnahme von Medikamenten vor anderen.
  • Sie legen sich heimlich eine Reserve von Medikamenten an.
  • Sie nehmen die Medikamente länger oder in höherer Dosierung als von Ihrem Arzt verordnet.
  • Sie tragen vorsorglich immer Beruhigungstabletten bei sich.

Wie einer Medikamentenabhängigkeit vorbeugen?

Wir sollten kritisch mit der Einnahme von Medikamenten umgehen. Wir sollten unseren Arzt fragen, was es an anderen Möglichkeiten als der Tabletteneinnahme gibt. Beispielsweise können wir ein Entspannungsverfahren erlernen oder unsere seelischen Probleme in Beratungsgesprächen bei einem Psychologen bearbeiten.

Geben Sie Ihre Selbstverantwortung nicht an der Praxistür des Arztes ab.

Nach Ansicht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm werden sehr viele Patienten von ihren Ärzten regelrecht in die Sucht getrieben, da die Ärzte Medikamente zu lange verordnen. Außerdem sollten wir den Arzt informieren, wenn unsere Schlafstörungen oder die Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer momentanen seelischen Krise (einer Trennung, einem drohenden Arbeitsplatzverlust, Konflikten in der Partnerschaft, dem Tod eines Angehörigen etc.) stehen. Wir sollten uns in Erinnerung rufen, dass Psychopharmaka nicht heilen und uns mehr auf unsere Fähigkeiten, selbst für das körperliche und seelische Gleichgewicht etwas tun zu können, besinnen.

Was tun, wenn Sie medikamentenabhängig sind?

Es ist bereits ein wichtiger Schritt, dass Sie die Erkenntnis zulassen, möglicherweise ein Problem mit Tabletten zu haben. Machen Sie sich deshalb keine Selbstvorwürfe. Sie sind mehr oder weniger unbewusst und unverschuldet in dieses Problem hineingeraten: vermutlich, weil Sie Ihrem Arzt vertraut haben, der offensichtlich fahrlässig gehandelt hat und inkompetent war. Sie können sich aus der Abhängigkeit befreien. Dies geschieht meist durch eine schrittweise Senkung der Medikamentendosis und sollte immer unter ärztlicher Aufsicht bzw. in einer Klinik geschehen.

Quelle: PAL Ratgeber Verlag Germany

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Anton Proksch Institut Wien 

Diagnose und Therapie der Medikamentensucht

Medikamentensucht

Viele Menschen, die medikamenten- oder tablettensüchtig sind, haben das konkrete Medikament ursprünglich zur Behandlung von Schlafstörungen oder Schmerzen eingenommen. Besonders Betroffene mit chronischen Schmerzen brauchen solche Medikamente über lange Zeit. Oft verschreiben ÄrztInnen Beruhigungsmedikamente wie Benzodiazepine (Tranquilizer). Der Körper gewöhnt sich an die im Medikament enthaltenen Substanzen und verlangt deshalb nach einiger Zeit eine höhere Dosis, um wieder die gleiche schmerzlindernde Wirkungen zu erreichen. Dadurch entsteht die körperliche Abhängigkeit.

Wann ist eine Therapie der Medikamentensucht notwendig?

Für die Betroffenen ist es sehr schwer festzustellen, dass sich ihre Situation durch die Einnahme der Medikamente zwar kurzzeitig, aber nicht dauerhaft verbessert. Spätestens wenn die Wirkung des Medikamentes nachlässt, verspüren die Betroffenen auch die Symptome wieder. Sie empfinden die Beschwerden dann oftmals als noch schlimmer und nehmen noch mehr Medikamente ein – der Beginn einer Medikamentensucht. Personen, die medikamentenabhängig sind, benötigen in der Regel ärztliche Hilfe bei der Therapie gegen Medikamentensucht. Nur ein äußerst geringer Prozentsatz schafft den Entzug ohne ärztliche Behandlung. Das Anton Proksch Institut in Wien hilft hierbei.

Das Therapieprogramm für Medikamentenabhängige umfasst in der Regel einen stationären Teil, gefolgt von ambulanter Nachbetreuung in einer unserer ambulanten Einrichtungen.

Quelle: Anton Proksch Institut Wien

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„PCB—still a problem“

Posted in Uncategorized on 09/28/2018 by Harry B.P. Jaeger

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Until they were recognized as highly toxic and carcinogenic, polychlorinated biphenyls (PCBs) were once used widely. Their production was banned in the United States in 1978, though they are still produced globally and persist in the environment. Persistent organic compounds, like PCBs, magnify across trophic levels, and thus apex predators are particularly susceptible to their ill effects. Desforges et al. looked at the continuing impact of PCBs on one of the largest marine predators, the killer whale. Using globally available data, the authors found high concentrations of PCBs within killer whale tissues. These are likely to precipitate declines across killer whale populations, particularly those that feed at high trophic levels and are the closest to industrialize areas.

Abstract

Killer whales (Orcinus orca) are among the most highly polychlorinated biphenyl (PCB)–contaminated mammals in the world, raising concern about the health consequences of current PCB exposures. Using an individual-based model framework and globally available data on PCB concentrations in killer whale tissues, we show that PCB-mediated effects on reproduction and immune function threaten the long-term viability of >50% of the world’s killer whale populations. PCB-mediated effects over the coming 100 years predicted that killer whale populations near industrialize regions, and those feeding at high trophic levels regardless of location, are at high risk of population collapse. Despite a near-global ban of PCBs more than 30 years ago, the world’s killer whales illustrate the troubling persistence of this chemical class.

Source by „Science“ 2018

 

„HÄNDE WEG VOM AUGARTEN“- Demonstration der Grünen in Graz

Posted in Uncategorized on 09/16/2018 by Harry B.P. Jaeger

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Nach dem Mur Kraftwerk und ZSK (Zentraler Speicherkanal) planen

Bürgermeister Siegfried Nagel

und seine ÖVP nun auch die Umgestaltung des Augartens.

Möglich rasch und ohne Bürgerbeteiligung soll der Bau einer Arena Bucht

in Kraft gesetzt werden.  Und wieder müssen Bäume dafür weichen.

weitere Fotos zur Demonstration im Augarten vom 15/9/18

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In erster Linie denkt die ÖVP nur an den Profit durch den Tourismus,

vergisst aber, dass sich die Bewohner rund um den Augarten einem

extremen Baustellenlärm und einer Feinstaubbelastung

aussetzen müssen.

Infolge der geplanten Touristenattraktion wird der Lärm immer heftiger,

welcher die Lebensqualität in der steirischen Landeshauptstadt

bedeutend herabsetzen wird.

Wenn es sich um Wirtschaft und Profitdenken handelt, spielt es für die

„Verbrauchergesellschaft“ sichtlich keine Rolle, wenn bald kein Platz

mehr für die Natur vorhanden sein wird.

 

 

 

 

“Die Gedankenmaschinerie”….

Posted in Uncategorized on 09/14/2018 by Harry B.P. Jaeger


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….Alles was unsere Gedankenmaschinerie zu denken vermag.

ein ganzer Tag voller Energie, somit voller Gedankenströme….

ein ganzer Tag in einer Art Maschinerie zu leben…

auch in den Nächten sind Gedanken in unseren Köpfen präsent,

in Form von Träumen und Geräuschen, die wir im Schlaf wahrnehmen….

eine Art Tod bis zum wiedererwachen am nächsten Morgen….

eine Art Rest von Gedanken – gespeichert im Unterbewusstsein….

eine Art Universum in unseren Köpfen….

einige Gedanken an die Zukunft, die wir erst dann 

sehen, wenn wir intensiv und bewusster in der Gegenwart leben….

 

….in der von mir oben erstellten digitalen-Collage sehen wir 

viel Ähnlichkeiten, jedoch keine Gleichheiten, auch wenn man es so sieht.

Alle ähnlich aussehenden Personen, sind von ihren 

individuellen Charakteren geprägt. 

Sie denken einander, wirken aber etwas egozentrisch.

Aus ihren Gedankengängen bilden sich 

andere Geschichten, die wir nie erfahren werden.

Ob sie von einander wirklich viel wissen, bleibt offen….

wichtig ist, dass sie das Individuum in sich schätzen lernen und 

dass sie nicht wie eine Maschine, betriebsblind werden. 

Ein Kopf aus dem Kopf ragend symbolisiert den Gedanken an sich selbst.

Ein weiterer Kopf aus dem Kopf ragend symbolisiert den Gedanken 

an den Anderen und die im Hintergrund hervorblickenden Gesichter

stellen die Neugierde am vordergründigen Geschehen dar.

Die Schreibmaschinentastatur oberhalb im Hintergrund

vermittelt uns, dass ständig  Gedanken und Erzählungen in Büchern

niedergeschrieben wurden und werden.

Psychologische betrachtet hat jeder seine eigene Gedankenwelt

und jeder trägt seine Denkerstirne, dem Alter gemäß im Gesicht ….

….einfach individuell

 

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Graz 14. September 2018 

„Die Untermieter“

Posted in Uncategorized on 08/30/2018 by Harry B.P. Jaeger

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….weitere Szenenbeispiele von meinem  digital_photoART_Project 2018

Ein digitales-Foto-Art-Projekt mit Kurzgeschichten über die Charaktere von Untermietern, die ganz nach ihren individuellen Lebensgewohnheiten in ihren angemieteten Räumlichkeiten einer großen Wohnung für geraume Zeit in Untermiete ihre Freiheiten ausleben durften.

Dabei verändern sich in den gezeigten Räumen Teile der ursprünglichen Einrichtung im Aussehen nur durch neue Bilder an den Wänden oder Teile von Möbeln, die Ihren Zweck erfüllen, ohne dabei den Stil des Altbaus zu zerstören.

Zu den verschieden Personen gehören: Durchreisende aus vielen Nationen, Junge Künstler, Studenten, Schriftsteller, Maler, Musiker und Philosophen. Letztendlich suchen Menschen ein ganzes Leben nach einer Art Unterkunft für ihre Individuellen Bedürfnisse. Wobei Baugröße Luxus ist, und  aus der Antike stets ein Vorbild sein kann. Wichtig ist, dass jeder seinen Platz finden kann, wo er oder sie seine/ihre Persönlichkeit entfalten kann. Wie und wann er oder sie den richtigen Platz finden wird, ist eine Zeitfrage der Natur und des individuellen Reifeprozesses, jedes einzelnen von uns.

Projektarbeiten 2018/19 © by Harry B. P. Jaeger

Freiwillige Personen für Teil-Akt Aufnahmen verschiedner Altersgruppen sind herzliche Willkommen -Kontakt: fotoharry@icloud.com

 

„SAMENSPENDE“

Posted in Uncategorized on 08/15/2018 by Harry B.P. Jaeger

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Eine oft beliebte Methode, über einen anonymen oder privaten Samenspender im Falle eines zeugungsunfähigen Partners Kinder zu bekommen.

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Eingriff in die NaturBedenklich oder nicht?

Psychologisch betrachtet:

Es sollte eine genaue Überlegung bei Paaren stattfinden ob es sich wirklich um einen Kindeswusch beiderseits handelt. Vorsicht: …oft stammen diese Wünsche von klischeehaften Erziehungsmustern. Menschen besitzen zwar die Intelligenz über Forschungswege immer neue Mittel zu finden, um den natürlichen Werdegang einer Schwangerschaft zu beeinflussen, aber sie müssen sich auch deren Folgen rechtzeitig bewusst sein. Daher ist es wichtig sich Aufklären zu lassen und nicht nur der Forschung alleine Glauben zu schenken. Da Menschen individuell verschieden sind, ist eine Unfruchtbarkeit nicht als Komplex zu betrachten. Ebenso sollte man auch religiöse Einflüsse in Partnerschaftsangelegenheiten meiden. Es ist eine intime Angelegenheit beider Partner und Ihre Bereitschaft offen gegenüberzustehen und der Natur mehr Achtung zu schenken, bevor sie planen eine Familie zu gründen. Aufklärung ist in jedem Fall der wichtigste Teil einer Erziehung. Nur so kann eine Verantwortung gegenüber Kindern garantiert werden.

Wissenschaftliches und Geschichtliches:

Unter einer Samenspende versteht man die Übertragung von Sperma eines fremden Spenders in die Gebärmutter einer Frau, um eine Schwangerschaft einzuleiten. Die Samenspende ist eine recht alte Methode der künstlichen Befruchtung. Von einigen erfolgreichen Versuchen wurde schon im 19. Jahrhundert berichtet. Seit 1930 existiert eine medizinische Praxis hierzu, allerdings wurde Samenspende zunächst als moralisch und religiös anstößig gesehen und mit Ehebruch verbunden. In Deutschland wurde in den 60er Jahren sogar überlegt, sie unter Strafe zu stellen. Im Jahr 1970 beschloss der Deutsche Ärztetag, Samenspenden nicht mehr als standeswidrig anzusehen. Aufgrund der bestehenden rechtlichen Risiken für den Arzt empfahl der Deutsche Ärztetag Samenspenden jedoch ausdrücklich nicht. Mit der allgemeinen Liberalisierung in den siebziger Jahren verbreitete sich die ärztlich vermittelte Samenspende als Methode um ungewollter Kinderlosigkeit bei Unfruchtbarkeit des Mannes zu begegnen.

Die normale Befruchtung mit einer Samenspende ist im Vergleich mit der In-Vitro-Fertilisation (= „Befruchtung im Glas“, also außerhalb des Körpers) eine relativ einfache Technik der künstlichen Befruchtung. Der Samen wird direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht. Eine In-Vitro-Fertilisation kann aber auch mit einer Samenspende vorgenommen werden.

Nach den Richtlinien des Arbeitskreises für Donogene Insemination muss der Samenspender gesund, in gutem körperlichen und psychischen Zustand, und frei von Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis und Syphilis sein. Der Spender erhält für eine Spende je nach Qualität zwischen 75 und 150 Euro.

Die Befruchtung darf nur mit Samen geschehen, der bereits sechs Monate tiefgefroren gelagert worden ist und dessen Spender nach Ablauf dieser Zeit noch immer frei von HIV ist. Bis 1983 wurde oft noch frischer Samen verwendet. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA haben die Wunscheltern in Deutschland wenig Möglichkeiten, den Spender mit auszuwählen. Die Kliniken suchen meistens anhand des Aussehens des Ehemannes und dessen Blutgruppe einen Spender aus. Angeblich bieten jedoch einige Praxen die Möglichkeit, eine eingeschränkte Auswahl nach Haarfarbe, Augenfarbe, Blutgruppe, Hautfarbe, Beruf, Hobbys, Körpergröße und -gewicht zu treffen. Nach Schätzungen werden in Deutschland zwischen 4.500 und 5.000 Kinder jährlich durch eine Samenspende erzeugt.

Die Vor- und Nachteile der Samenspende

Die Vorteile:

  • Die Schwangerschaft kann erlebt werden.
  • Das Kind ist zumindest genetisch mit einem Elternteil, der Mutter, verwandt.
  • Sie ist ein relativ einfaches Verfahren, welches normalerweise nicht schmerzhaft ist und keine Operation oder einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordert.

Die Nachteile:

  • Bei Paaren kann die Tatsache, dass die Mutter mit dem Kind genetisch verwandt ist und der Vater nicht, zu Spannungen im Familienleben führen. Die Position der Eltern zu dem Kind ist nie gleich, weil zumindest die Eltern von der fehlenden Verwandtschaft des Mannes wissen. Dies kann nicht geändert werden, wie sehr der Vater das Kind auch liebt.
  • Die Familiensituation erfordert viel Reflektion und Offenheit über die eigenen Gefühle und darüber, was Familie ausmacht, und auch eine Auseinandersetzung mit schmerzhaften Themen wie der eigenen Unfruchtbarkeit. Wenn nicht beide Partner überzeugt hinter der Samenspende stehen, kann es dazu kommen, dass ein Elternteil das Kind ablehnt.
  • Unterbleibt ein aktiver Beziehungsaufbau von Seiten des Vaters, rettet kein biologisches Band die fehlende Zusammengehörigkeit
  • Wenn man genetische Verwandtschaft für die Eltern-Kind-Beziehung als wichtig erachtet, sollte einem bewusst sein, dass dem Kind durch eine Samenspende genau dies zu einem Elternteil verweigert wird. Das Kind wird vielleicht nie oder erst sehr spät seinen genetischen Vater kennenlernen können.
  • Das Kind muss sich mit seiner künstlichen Entstehungsweise arrangieren.
  • Bei später Aufklärung besteht die Gefahr, dass das Vertrauensverhältnis zu den Eltern nachhaltig belastet ist, weil die Eltern das Vertrauen des Kindes ausnutzten und es jahrelang bewusst über seine wahre Herkunft hinweg täuschten.
  • Der Mangel an Informationen über den Spender kann zu Verunsicherung bei den Eltern und dem Kind führen. Einerseits aufgrund von Verhaltensmustern des Kindes, die man aus der eigenen Familie nicht kennt, aber auch wegen des Aussehens oder eventueller Krankheiten.
  • Es kann zu ablehnenden Reaktionen im sozialen Umfeld kommen. Bei vielen Eltern führt bereits die Befürchtung, dass es zu ablehnenden Reaktionen kommen könnte, dazu dass sie nicht offen mit der Familienbildung durch Samenspende umgehen.
  • Die Samenspende wird zumindest in Deutschland oft noch unter der Bedingung der Anonymität der Spender durchgeführt, auch wenn dies juristisch nicht haltbar ist. Die Herausgabe der Daten ist oft ungeklärt.

 

Sinndimension einer Situation

Posted in Uncategorized with tags on 07/30/2018 by Harry B.P. Jaeger

Sollte das Alphabet den Unterschied ums Ganze definieren?

Sollte das Alphabet den Unterschied ums Ganze definieren? In vielen Hinsichten ähneln sich die chinesische und die griechische Weisheitslehre, aber vor die Wahl gestellt, ein entweder situatives oder ein teleologisches Handlungsmodell zu pflegen, entscheiden sich die Griechen für das teleologische. Das teleologische Modell misst das Handeln an den Zielen, die es sich setzt, mit entsprechend großen Chancen, ein Situationspotential zu übersehen, das sich für alternative Ziele und alternative Handlungen hätte nutzen lassen. Das situative Modell schaut von vornherein auf die Situation und ihr Potential und lässt sich nur daran messen, ob Chancen, der Situation eine andere Wendung zu geben, gesehen wurden oder nicht.

Die beiden Modelle unterscheiden sich im Akzent, den sie setzen. Das teleologische Modell hält die Situation latent, in der es zu verschiedenen Zielsetzungen kommt. Es zieht die Aufmerksamkeit von der Gegenwart ab und richtet sie auf eine Zukunft, in der es bestimmte Ziele zu erreichen gilt, und auf eine Vergangenheit, die es erlaubt, diese Zielsetzungen zu motivieren und zu rechtfertigen. Das situative Modell hingegen hältst die Zielsetzungen latent. Dass und was jemand in bestimmten Situationen erreichen will, versteht sich entweder von selbst oder ergibt sich als Überraschung im Nachhinein, dann jedoch als eine Überraschung, die nicht überrascht, sondern die gegebenen Verhältnisse und die darin motivierten Zielsetzungen, einen Krieg zu gewinnen, einen Fürsten zu überzeugen, eine Ehefrau zu finden oder was immer, bestätigt.

Es ist wichtig zu sehen, dass es sowohl in China wie in Griechenland beide Modelle gibt. Wir haben es daher nicht mit verschiedenen Welten zu tun, sondern mit verschiedenen Akzentsetzungen. Wir haben es auch nicht mit der Unmöglichkeit zu tun, sich wechselseitig zu verstehen, sondern mit der Notwendigkeit, die jeweils eine Präferenz für das entweder situative oder teleologische Modell als eine Präferenz innerhalb der selben Alternative zu erkennen. Das situative Modell pflegten die Griechen unter dem Stichwort der metis, der listenreichen und wachsamen Klugheit. Von ihr wissen die Männer der Tat, während die Männer des Wissens die Idee des telos pflegen, des Zieles, an dem ein Handeln sich spätestens dann messen lassen muss, wenn es in der Akademie diskutiert wird. Und niemand wird den chinesischen Weisen ihre Teleologie absprechen. Der Weise wie der Fürst, den er berät, wissen sehr wohl, was sie erreichen wollen und was sie verhindern müssen. Aber ihr Verhalten orientiert sich situativ an Klugheitsregeln, nicht an Rechtfertigungsmustern. Sie handeln nicht, sondern sie agieren, wenn man unter einer Handlung den Versuch versteht, anschließend in einer anderen Situation zu sein, und unter einer Aktion den Versuch, erst einmal herauszufinden, in welcher Situation man steckt, sei es nun, dass man nach Möglichkeiten sucht, auf das eigene Mitspielen aufmerksam zu machen, sei es, dass man versucht, herauszufinden, wer die anderen Mitspieler sind und in welcher Haut sie stecken.

Die Griechen jedoch haben es nicht mit Situationen, sondern mit Handlungen zu tun. Sie agieren nicht, sondern sie handeln, und dies entweder tragisch oder komisch, entweder heroisch oder, als Entlastungskategorie für alle anderen, alltäglich. In jedem Fall jedoch haben sie es mit einem Drama zu tun und damit auch mit einer Geschichte, die sich zwar im Kosmos als ewige Wiederkehr des Gleichen abspielt, auf Erden jedoch als durchaus schicksalsreiches Geschehen unter Menschen. Eine Klugheit gibt es nur im Rahmen der Geschichte. Sie wird auch nur dort, am Hofe, reflektiert, wo sich die Entscheidungen vorbereiten, die dann entweder den Erfolg oder den Untergang nach sich ziehen. Sie wird durch die Geschichte gerahmt, nicht umgekehrt. In China hingegen rahmt die Klugheit jede mögliche Geschichte, die deswegen letztlich auch nicht stattfindet. In China dominiert die Wiederkehr des Gleichen, auch wenn es mal die einen, mal die anderen erfolgreicher werden lässt und mal die einen, mal die anderen in den Untergang reißt.

Beide Gesellschaften, die chinesische wie die griechische, sind Schriftgesellschaften. Beide haben die Einführung der Sprache und damit die Dynamik der Stammesgesellschaft hinter sich und die Einführung des Buchdrucks und damit die Dynamik der modernen Gesellschaft noch vor sich. Von der Stammesgesellschaft wissen sie, von der modernen Gesellschaft wissen sie nichts. Strukturell geprägt von den Formen, die die Stammesgesellschaft gefunden hatte, um mit der Katastrophe der Einführung eines Überschusses an Referenzen fertig zu werden, haben die antiken Hochkulturen mit der Katastrophe oder Einführung eines Überschusses an Symbolen zu tun. Bedeutete der Überschuss an Referenzen, dass die Stammesgesellschaft Regelungen finden müsste, was ein Wort meinen kann, wer es an wen richten darf und wann ist ausgesprochen werden darf, so bedeutet der Überschuss an Symbolen, dass die Schriftgesellschaft Regelungen finden muss, auf welche Schriftzeugnisse man sich in welchen Situationen berufen darf. Brachte die Einführung der Sprache eine über die Wahrnehmung von Körpern koordinierte Gesellschaft durcheinander, so die Einführung der Schrift eine über die Grenze zwischen Ritualgemeinschaften geordnete Gesellschaft.

Im Unterschied zu den Piktogrammen der Chinesen ist die Schrift der Griechen alphabetisch. An die Stelle eines kosmologischen Denkens im Kontext mystischer und mythologiesierbarer Ursprünge, das die Piktogramme zunächst nur unterstützen, tritt ein analytisches Denken, das an der Möglichkeit der Zergliederung und des Zerfalls den zunächst ungesicherten Zusammenhang der Dinge zu studieren lernt. Im qualitativen Sprung vom Bild zum Laut und dessen Fixierung steckt die Entdeckung des Unterschiedes, den ein Moment, kairós, jetzt machen kann. In der alphabetischen Schrift wird das vorübergehende, dass auftauchende und wieder verschwindende Wort angehalten und werden an dieser Differenz Zeitfluss und Ereignis unterscheidbar.  Man hat es nicht nur mit Bildern zu tun, die ihrer situativen Verwendung kontrolliert werden müssen, sondern mit einem Alphabet, das kontigent werden lässt, wie es weitergeht. Die Griechen haben keine andere Wahl, als das teleologische Modell zu forcieren.  Aristoteles erfindet es, weil außerhalb einer Bindung der Welt an die angemessenen Plätze, die alles Seiende in ihr findet, an die Vernunft der Verhältnisse nicht mehr zu glauben wäre. Die Berufung auf das telos jedoch erlaubt es, des Überschusses der Symbole nicht nur Herr zu werden, indem sie ihn jeder Kommunikation als teleologisch entweder passend angenommen oder unpassend abgelehnt werden können, sondern sie einzubringen in eine Gestaltung der Welt, die an Zuständen der Perfektion ihren Maß, an Zuständen der Korruption ihr Problem und an der Suche nach und Wiedergewinnung von angemessenen Plätzen für Menschen und Dinge ihre geschichtliche Dynamik gewinnt.

Während die Chinesen ihre Piktogramme in ein Referenzmodell der mündlichen Sprache einfügen, das es ihnen erlaubt, an den bewährten Formen des Respektes vor Grenzen und der Faszination von Geheimnissen festzuhalten, als mache die Einführung der Schrift keinen Unterschied zur Stammesgesellschaft, revolutionieren die Griechen ihr Weltmodell und beginnen ein Abenteuer der Geschichte, das wohl nur unzulänglich auf den Begriff des Schicksals gebracht werden kann. Wie die Ägypter, die Platon und Aristoteles abschreckend vor Augen hatten, werden auch die Chinesen Bürokraten. Hieroglyphen wie Piktogramme erlauben es offenbar, die Ritualgemeinschaften der Stammesgesellschaft mit wesentlich größerer Reichweite als je zuvor zu reproduzieren und zu formulieren, ohne wie in Griechenland das Risiko einzugehen, dass Handel, Politik, Kunst und Wissenschaft Skalen der Bürokraten durcheinander bringen und mit innovativen Ideen die Verhältnisse neu sortieren. Mit anderen Worten, selbstverständlich agieren die Griechen so klug wie die Chinesen. Im Unterschied zur Klugheit der Chinesen führt dies jedoch nicht zur Bestätigung, sondern zur Veränderung der Verhältnisse. Die Chinesen variieren das Bewährte, ohne auf die Idee zu kommen, es zu analysieren und zu rekombinieren. Die Griechen hingegen analysieren es und rekombinieren es im Zuge eines Prozesses der ebenso praktischen wie poetischen und theoretischen Neugier, der bis heute sein Ende noch nicht gefunden hat.

Das teleologische Handlungsmodell liefert dazu nur die normative Kontrastfolie. Man setzt sich Ziele, an denen man sich messen lässt, während man längst und höchst situativ die Mittel auswechselt, die es erlauben, sie zu erreichen. Oder man beruhigt die allfälligen Beobachter, dass man sich an die von allen konsentierten Mittel hält, während man längst Ziele verfolgt, die man einstweilen still und leise für sich behält. Man wird dieses teleologische Modell später auch das „rationale“ Handlungsmodell nennen. Und man wird daran festhalten, dass es für die Deklaration von Normen so viel Platz hat wie für die ebenso kluge wie prozessuale und damit situationsabhängige Neubestimmung des Verhältnisses von Mittel und Zweck. In der losen Koppelung zwischen den deklarierten, gleichsam global legitimierbaren Handlungen einerseits und dem geschickten, lokal angemessenen Agieren andererseits hat dieses griechische und inzwischen westliche Handlungsmodell seine eigentliche Pointe. Und in dieser Form haben es die Chinesen nicht nur längst übernommen, sondern immer schon verfolgt. Auf dem Umweg über China entdeckte der Westen seine eigenen Klugheitslehren.

Sinndimension einer Situation